Lernen in einer Ruine: Hoffen auf den überfälligen Neubau

(Update: 14. März) Eine abrissreife Schulruine in Brandenburg: Die Stadt Zossen investiert gerade einmal 3000 Euro im Jahr in ihre Gesamtschule - weil der Abbruch ohnehin ansteht. Ein geplanter Neubau wird aber, erzählt Carsten Preuß, immer wieder auf unbestimmte Zeit verschoben. Der Vater eines Schülers der 10. Klasse berichtet vom katastrophalen Zustand des Gebäudes.

Die Stadt Zossen (Landkreis Teltow-Fläming; Land Brandenburg) plant seit 2012 den Bau einer neuen Gesamtschule. Aus verschiedenen Gründen ist mit dem Bau noch immer nicht begonnen worden.

Der Neubau ist seit Jahren die Begründung dafür, dass an der jetzigen Gesamtschule keine Reparatur- und Instandhaltungsmaßnahmen mehr durchgeführt werden.

Die aktuelle Situation an der jetzigen Gesamtschule Dabendorf ist katastrophal. Der Reparatur- und Instandhaltungsstau, der seit einigen Jahren existiert, muss jetzt unbedingt abgebaut werden, damit bis zur Eröffnung der geplanten neuen Gesamtschule im Jahr 20XX ein normaler Schulbetrieb im jetzigen Schulgebäude gewährleistet werden kann.

Bereits auf der Stadtverordnetenversammlung am 08. Juli 2015 haben die Elternsprecher der Gesamtschule einen offenen Brief verlesen, in dem sie mit Sorge feststellten, "dass am bestehenden Gebäude der Geschwister-Scholl-Schule keine grundlegenden Instandhaltungsmaßnahmen mehr stattfinden".

Im Haushaltsplan 2013 standen noch 15.000 Euro für die Unterhaltung der Gesamtschule Dabendorf zur Verfügung. Diese Summe wurde 2015 auf 3.000 EURO abgesenkt. So sieht es heute auch aus.

Die Kritik an der Situation der Schule fand kürzlich ihren Höhepunkt, als der blaue Robur-Bus des rbb am 17. Dezember 2016 über die unhaltbaren Zustände an der Gesamtschule Dabendorf berichtete. SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen machten auf den katastrophalen Zustand aufmerksam, der einen vernünftigen Unterrichtsbetrieb unmöglich macht.

Das Umfeld trägt aber maßgeblich zum Lernerfolg von Schülern bei. Eine schnelle Lösung des Problems ist erforderlich, damit ein normaler Schulbetrieb für alle Jahrgansstufen gewährleistet werden kann. SchülerInnen wie Lehrkräfte verbringen einen großen Teil ihres Lebens in Klassenzimmern.

Toiletten, Cafeteria, die Flure und Treppenaufgänge, die Schimmelbekämpfung sowie die Dach- und Fensterreparatur sind nur die Spitze des Eisbergs. Fenster im Treppenhaus und im Unterrichtsraum sind mit PVC Klebeband verschlossen. Die Flure und Unterrichtsräume müssen gemalert werden. Lichtschalter werden mit Klebeband zusammengehalten. Defekte Toiletten werden verschlossen.

Die Stadt als Schulträger ist verpflichtet, die für einen ordnungsgemäßen Unterricht erforderlichen Schulanlagen, Gebäude, Einrichtungen und Lehrmittel bereitzustellen und zu unterhalten.

Jetzt muss die Blockadehaltung der Verantwortlichen endlich aufgegeben werden, und Reparatur- und Instandhaltungsmaßnahmen beauftragt werden, um bis zur Eröffnung der neuen Gesamtschule im Jahr 20XX einen normalen Schulbetrieb im jetzigen Schulgebäude zu gewährleisten.

Hinzu kommt, dass die Schule ein – ich zitiere einen Schüler aus der 12. – „Dreckloch ist“. Eltern haben am 04.02.2017 nicht nur zwei Klassenzimmer gemalert, sondern auch noch einen verdreckten Flur grundgereinigt. Wände, Türen und Scheuerleisten wurden mal abgewaschen. Allein dadurch entstand ein ganz anderer, sauberer und frischerer Eindruck. Die Schule macht insgesamt einen stark verdreckten Eindruck. Die Schule macht auch wegen der mangelnden Reinigung einen verwahrlosten Eindruck.

Carsten Preuß

Carsten Preuß ist Mitglied der Zossener Stadtverordnetenversammlung und Direktkandidat für die Linken zur Bundestagswahl. Er kommt hier als Elternteil zu Wort.

Die Auseinandersetzung um die Gesamtschule Dabendorf ist unter anderem hier nachzulesen: http://www.zossen.de/buerger/aktuelles-thema/schulneubau-in-dabendorf.html

 

Update 14. März:

Die Kampagne Einstürzende Schulbauten hat Bewegung in die Diskussion um die marode Gesamtschule Dabendorf gebracht. Auch ein Team eines privaten Fernsehsenders war durch die Vermittlung der Stiftung Bildung vor Ort.
Carsten Preuss berichtet: die Gemeinde Zossen wird noch einmal 20.000 Euro für die Renovierung und Instandhaltung des kaputten Gebäudes investieren.

Am 13.03.2017 fand  eine Sondersitzung des Bauausschusses in der Gesamtschule Dabendorf statt. Eine Stunde vor der eigentlichen Sitzung gab es für die Mitglieder des Ausschusses die Möglichkeit, sich von dem Zustand der Schule ein Bild zu machen.

Während der Sitzung nutzten Eltern, Schüler und Lehrer die Einwohnerfragestunde um auf den schlechten baulichen Zustand der Gesamtschule hinzuweisen. Sie forderten den Schulträger auf, endlich seinen Pflichten nachzukommen. Ein Schüler schilderte den "ekligen" Zustand der Toiletten. Viele Schüler "verkneifen" sich den Gang zur Toilette.

Auch die Ausschussmitglieder sahen im Zustand der Toiletten ein Hauptproblem, das behoben werden muss. Die Trennwände müssen erneuert werden, Klobrillen ausgetauscht werden, Fliesen erneuert, Spiegel ergänzt werden..... Zudem wurde während der Besichtigung deutlich, dass einige Fenster undicht sind, so dass Regenwasser eindringen kann. Es gibt auch Fenster, die sich nicht öffnen lassen und vereinzelt sind Fenster mit Klebeband verschlossen. Malerarbeiten sind dringend notwendig in den Fluren, den Treppenhäusern, den Toiletten, in einem Großteil der über 60 Klassenräume und in der Cafeteria. Im A-Teil fand die letzte große Renovierungsaktion vor über 10 Jahren statt. In den übrigen Teilen liegen die letzten Renovierungsarbeiten zumeist noch länger zurück. Defekte Wasserhähne und Lichtschalter, ausgerissene Bohr- und Dübellöcher oder lose Kabel zeigen, dass an vielen Stellen auch Kleinigkeiten zu einem großen Problem geworden sind.

Das Dach muss insbesondere an den Stellen, wo das Regenwasser gesammelt und abgeleitet wird auf Dichtigkeit geprüft werden. Mindestens im Chemieraum ist ein vermuteter Schimmelbefall zu beheben. Den Containerteil konnten sich die Ausschussmitglieder leider nicht ansehen. Auf Grund der Dunkelheit konnten auch die Außenfassade der Schule und die Außentreppen nicht begutachtet werden. Zudem muss ein Check der Heizungsanlage erfolgen. Diese fiel wiederholt aus, was auch zu Schulausfall geführt hat.

Beschlossen wurde, dass nun 20.000 EURO zusätzlich für die Renovierung und Instandhaltung zur Verfügung gestellt werden. Ein Antrag, dafür 100.000 EURO zur Verfügung zu stellen, wurde leider mehrheitlich abgelehnt.

Es ist bereits jetzt absehbar, dass die nun beschlossenen 20.000 EURO bei weitem nicht ausreichen, um die zahlreichen Mängel zu beseitigen. Eine schnelle Lösung für sichtbare Verbesserungen an der baulichen Situation der Schule ist nicht in Sicht.

7 Gedanken zu „Lernen in einer Ruine: Hoffen auf den überfälligen Neubau

  1. Thomas Böhm

    Der Verfasser dieses Artikels, Carsten Preuss, hat sich wohl, in der Kandidatenfrage zur Bundestagswahl 2017, gehörig vertan. Er steht lediglich auf der Landesliste Brandenburg für die LINKEN auf dem aussichtslosen Listenplatz 10 und der linke Direktkandidat für den Zossener Wahlkreis 62 ist Steffen Kühne. Sollte diese Fakenews von Herrn Preuss persönlich gekommen sein , ist dies also eine glatte Lüge, wie viele andere Fakes davor auch, wie ich meine! Die ehrenamtlichen Malerarbeiten der Eltern, im Inneren der Schule, geht zu 95% auf die Verunreinigung durch die Schüler selbst zurück und nicht durch die Stadtverwaltung. Auch die Toiletten werden von den Schülern selbst verunreinigt und mutwillig zerstört, also sollten sich diejenigen Schüler, die ihre Schule als "Drecksloch" betiteln, darauf achten, dass den Verursachern, in ihrem desaströsenTreiben, Einhalt geboten wird! Wer sich die Haushaltszahlen der Stadt Zossen zur Schule in den letzten Jahren anschaut, wird feststellen, dass jährlich nicht unerhebliche Summen für die Schule eingestellt werden. Das der Neubau noch nicht steht, ist mitunter auch durch politisches Kreuzfeuer, aber auch durch festgefahrene Verhandlungen der Stadt mit einem Grundstückseigentümer geschuldet. Alles nachzulesen auf der Webseite der Stadt Zossen.

    Der Wadenbeisser von Zossen Thomas Böhm, Neuhof

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    1. schulbauten

      Sehr geehrter Herr Böhm,
      die Angaben zu Kandidatur von Herrn Preuß sind ein Recherchefehler unsererseits, wir bitten das zu entschuldigen. Die Korrektur erfolgt, sobald Herr Preuß uns dazu die richtigen Informationen mitteilt.
      Ansonsten gehören Beschimpfungen von Eltern als Überbringerinnen von schlechten Nachrichten für uns fast schon zur Folklore. Nestbeschmutzerinnen, Querulantinnen, Nörglerinnen... - wir nehmen das gelassen. Die Schilderungen und die Bilder, die Herr Preuß uns vorgelegt hat, lassen keinen Rückschluss auf Vandalismus durch Schülerinnen zu.
      Die Webseite der Stadt Zossen haben wir uns angesehen und auch verlinkt. Neben der von Ihnen erwähnten "Kreuzfeuer" finden sich hier Hinweise auf eine deutliche Reduzierung der Ausgaben für die Instandhaltung der Schule sowie Stellungnahmen von Schülerinnen und Lehrkräften.
      /dt

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      1. Thomas Böhm

        Wenn Sie dem Link folgen, sehen Sie eine Fotoserie von Herrn Preuss, der den "Streichtag" im Foto festgehalten.https://www.facebook.com/carstenpreuss.zossen/?hc_ref=PAGES_TIMELINE
        Schauen Sie sich die Bilder an, schauen Sie auf die Wände im Klassenzimmer, wenn dass kein Vandalismus ist, weiß ich nicht was denn! Die freistehenden Seitenwände am WC mit der abgeplatzten Farbe ist mit Sicherheit durch Urin entstanden, weil Jungen dazu neigen, im Szehen zu pinkeln. Wenn immer wir, als Steuerzahler, für derartige Taten zur Kasse gebeten werden, reicht das irgendwann! Wo ist der Anteil der Eltern, deren Erziehungsauftrag, damit ihre Kinder pfleglicher mit den Rüumlichkeiten umgehen, oder aber bei ihnen zu Hause sieht es ähnlich aus! Was die Reduzierung der Ausgaben angeht: Würden Sie, wenn Sie beabsichtigen ein neues Haus zu bauen, in das alte noch hoch investieren, wenn es danach vielleicht abgerissen wird? Wenn Sie soviel Geld haben, viel Spaß. Wenn das Land und der Kreis die Stadt Zossen mit sämtlichen Kosten des Neubaus völlig alleine läßt, werden die Gelder eben knapper, aber in der alten Schule werden immer noch die Reparaturen durchgeführt, um einen gefahrlosen Unterricht zu gewährleisten. Dass dieser Zustand nicht zufriedenstellend ist, ist in der Stadt auch der Bürgermeisterin und der Stadtverwaltung klar aber leider haben wir in Zossen keine Druckmaschine für Euro.
        Thomas Böhm

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        1. schulbauten

          Danke für den Hinweis, die Seite kannten wir noch nicht. Interessant ist das aktuelle Video vom 22. Februar, welches das Treppenhaus der Schule zeigt, in das es offensichtlich hineinregnet. Mit Vandalismus durch Schülerinnen ist das nicht zu erklären. Das sind offenkundig schwere bauliche Mängel.
          /dt

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      2. Carsten Preuß

        Hilfreich ist es, beim Zustand der Gesamtschule zu bleiben. Die Situation bei den Toiletten, der Cafeteria, den Fluren und Treppenaufgängen muss dringend verbessert werden. Besonders dringend sind die Schimmelbekämpfung sowie die Dach- und Fensterreparaturarbeiten. Die Fenster im Treppenhaus und Flur sind so undicht, dass bei Regen das Wasser durch die Flure fließt. Einige Fenster müssen mit Klebeband verschlossen werden. Sogar Lichtschalter werden mit Isolierband zusammengehalten. Die Realisierung der Reperatur- und Instandhaltungsarbeiten schützt auch vor Vandalismus. Eine schöne Schule beugt jugendlicher Zerstörungswut vor.

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        1. schulbauten

          Sehr geehrter Herr Preuß,
          vielen Dank, dass Sie uns die Richtigkeit unserer Angaben bezüglich Ihrer Kandidatur bestätigt haben.
          /dt

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        2. Thomas Böhm

          In die Schule sind, seit dem Beschluß eine neue Schule zu bauen, folgende Summen bis Ende 2014 geflossen, wie auch auf der Zossen Seite nachlesbar:
          Von 2011 bis 2014 1.900.000 Mio € Betriebskosten
          154.000 € für Reparaturen und Instandsetzung
          431.000 € für Technik (Pc Whitboards u.s.w.)
          Da von einer Vernachlässigung zu sprechen, ist schon ein starkes Stück! Diese Zahlen müssen, Jahr für Jahr, erst einmal in den Haushalt eingestellt werden, ohne großartig in andere, wichtige Belange der Stadt einzugreifen.
          Thomas Böhm

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