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Renovierungen reichen nicht, um den Brennpunkt Schultoilette zu entschärfen

Der Zustand der Toiletten - kein Thema wird an Schulen quer durch die Republik heißer diskutiert als das stille Örtchen. Wie es dort aussieht, hängt - klar - ab vom Alter der sanitären Anlagen und von der Intensität und der Qualität der Reinigung. Und natürlich vom Verhalten der Nutzerinnen.

Unsere heutigen Expertinnen von der German Toilet Organization sind der Meinung, dass Sanierungen nicht ausreichen. In vielen Fällen, sagen sie, fehle es am Verständnis für den pädagogischen Wert der Schultoilette. In ihrer Arbeit mit Schulen tragen sie dazu bei, das Thema in den Mittelpunkt des schulischen Alltags zu rücken.

Dabei sind es die kleinen Verbesserungen, die viel bewirken, aber wenig kosten: Seife, Handtücher, Klobürsten, Kleiderhaken oder auch Grünpflanzen. Das wichtigste aber, so Svenja Ksoll und Thilo Panzerbieter, ist die Einbeziehung Aller. "Wo das Zusammenspiel zwischen Erwachsenen und Kindern und Jugendlichen kommunikativ ist und auf Austausch basiert", klappt's auch mit dem Schulklo.

 

„Schultoiletten sind immer mies, überall“. Seit 2009 arbeiteten wir an Berliner Schulen, zum Thema Sanitärversorgung. Diese oder ähnliche Aussagen begleiten unsere Arbeit ständig. Aber muss der Zustand aller Schulklos wirklich immer schlimm sein? Tatsache ist, dass es große Probleme gibt, angefangen bei der fehlenden Ausstattung. Oft gibt es keine Seife, kein Toilettenpapier, es gibt keine Klobürsten, geschweige denn Mülleimer. Hinzu kommt der immer wiederkehrende Vandalismus. Oft erkennbar sind Zeichen von roher Gewalt. Auch ist der Uringestank in sehr vielen Schulgebäuden so unerträglich, dass die Toiletten schon von weiter Entfernung gerochen werden.

Die Ursachen für diese desolaten Zustände sind nicht mit Pauschalantworten zu erklären, denn sie liegen auf verschiedenen Ebenen. Fehlende Investitionen seitens der Politik in umfangreiche Sanierungen der teils aus den Fünfzigerjahren stammenden Rohrsysteme, sowie Renovierungen der Sanitärräume sind sicherlich ein Grund. Hinzu kommt jedoch die Handhabung des Problems an Schulen. Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass Sanierungen und Renovierungen nicht ausreichen, um den Brennpunkt Schultoilette in einen Ort des Wohlfühlens zu verwandeln. Im Schulumfeld existiert in vielen Fällen ein grundlegend fehlendes Verständnis für den pädagogischen Wert des Orts Schultoilette. Da Lehrkräfte meist eigene Toiletten benutzen, ist die Schultoilette für Schülerinnen und Schüler, ab dem Eintritt in die Schule, der erste Ort in dem Kinder sich unbeaufsichtigt im öffentlichen Raum, nur unter sich bewegen. Vandalismus üben nur drei bis zehn Prozent der Schülerinnen und Schüler aus, wie im Rahmen von „Project Clean“ (www.projectclean.us) ermittelt wurde. Beschuldigt werden aber meist pauschal alle, denn auch wenn einzelne identifiziert und bestraft werden, hat dieses trotzdem Konsequenzen für die Gesamtheit. Sanitärräume werden abgeschlossen, Toilettenpapier wird weggenommen, es gibt keine Seife mehr und kein Handtuchpapier. Jedoch müsste gerade mit den Tätern (drei bis zehn Prozent) intensiver gearbeitet werden, um Verhalten zu ändern.

Die fehlende Kommunikation und Abstimmung ist außerdem eine grundlegende Ursache für die desolaten Zustände. In unserer Arbeit haben wir die Erfahrung gemacht, dass dort, wo das Zusammenspiel zwischen Erwachsenen und Kindern und Jugendlichen kommunikativ ist und auf Austausch basiert, oft auch die Schultoilette in einem anderen Licht steht. Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Schulleitung, Hausmeisterinnen und Hausmeister, Reinigungspersonal und Eltern sprechen miteinander auf einer nicht anklagenden Basis, sondern auf einer Basis, die Verständnis für einander anstrebt.

Das Schulklo erfolgreich zum Thema gemacht: Teilnehmerinnen des Wettbewerbs "Toiletten machen Schule"

Dass eine Verbesserung von Schultoiletten und Waschräumen durch eine Zusammenarbeit verschiedener Akteure möglich ist, haben wir 2013 mit unserem Wettbewerb „Toiletten machen Schule“ gezeigt. 79 Schulen beteiligten sich an der Initiative, die wir mit Unterstützung von vier Unternehmen ins Leben gerufen hatten. Zur Bewältigung des Schultoilettenproblems und Erreichung eines Tabubruchs identifizierten wir damals drei Säulen. Die erste Säule bezieht sich auf die Bewusstseinsmachung, dass der schlechte Zustand der sanitären Anlagen ein ernsthaftes Problem ist. Bevor eine Veränderung der aktuellen Situation erreicht werden kann, muss sowohl den Erwachsenen als auch Kindern klar sein, wie wichtig funktionsfähige und saubere Klos sind. Dies schafft man zum Beispiel, indem im Unterricht über die Bedeutung einer sanitären Grundversorgung und guter Hygiene gesprochen wird. In der Schulbibliothek könnten Bücher zum Thema Klo stehen. Welttage, wie der Weltwassertag am 22. März und der Welttoilettentag am 19. November könnten mit gemeinsamen Aktionen der Schülerinnen und Schüler gefeiert werden. Möglichkeiten das Thema immer wieder in den Mittelpunkt des schulischen Alltags zu rücken, gibt es viele. Nur so kann auch nachhaltig ein Tabubruch erreicht werden.

Die Schultoilette als Wohlfühlort

Eine zweite Säule der Bewältigung der Sanitär- und Hygieneprobleme bildet die Verbesserung der Ausstattung der Schultoiletten und Waschräume. An der Entwicklung der Konzepte, die die Wettbewerbsschulen eingereicht hatten, waren die Schülerinnen und Schüler stets maßgeblich beteiligt. Die Ideen der Heranwachsenden waren überaus vielfältig und ließen sich schon mit geringen Geldmitteln umsetzen. Sie reichten von Kleiderhaken, die in den Toilettenräumen als Halterung für Rucksäcke und Taschen angebracht wurden, über Grünpflanzen und Duftspender, die für ein angenehmeres Raumklima sorgen sollten. Die Kinder mussten für die Umsetzung ihrer Ideen eng mit der Schulleitung, Lehrkräften und dem Hausmeister zusammenarbeiten.

Gemeinsame Beurteilung der Schultoiletten

Eine gute Organisationsstruktur bildet die dritte Säule zur Bewältigung des Schultoilettenproblems. Es kommt immer wieder vor, dass Schülerinnen und Schüler nicht einmal den Namen ihres Hausmeisters kennen. Dabei ist dieser oft der wichtigste Ansprechpartner, wenn es um die Ausstattung und Instandhaltung der sanitären Anlagen geht. Die Kinder sollten wissen, an wen sie sich mit ihren Fragen zur Schultoilette wenden können. Die Einrichtung eines Kummerkastens beim Hausmeister wäre eine Lösung. Beschwerden, die von den Kindern kommen, sollten von den Erwachsenen auch wirklich ernst genommen werden. Wenn die Schülerinnen und Schüler spüren, dass sie mit ihren Anmerkungen und Wünschen eine Verbesserung erreichen, entwickeln sie ein ganz neues Gefühl der Teilhabe. Mit diesem Wissen und da der „Toiletten machen Schule“-Wettbewerb ein voller Erfolg war, möchten wir den Wettbewerb in diesem oder im nächsten Jahr erneut durchführen. Schulen, die schon jetzt etwas verändern möchten, finden auf unserer Webseite ein Inspirationspaket: www.germantoilet.org/schulwettbewerb

Fazit: Jede Maßnahme, die Infrastruktur verbessert, braucht Begleitmaßnahmen. Renovierungen und Sanierungen der Sanitärräume an Schulen sind dringend erforderlich. Jedoch kann eine nachhaltige Verbesserung der Situation rund um den Brennpunkt Schultoilette nicht eintreten, wenn keine umfangreichen begleitenden Aktivitäten durchgeführt werden, die so viele Akteure wie möglich mit einbeziehen. Da an den Schulen immer wieder personelle Wechsel stattfinden und immer neue Schülerinnen und Schüler nachrücken, muss das Thema Toilette immer wieder aufs Neue in den Mittelpunkt der schulischen Alltags rücken. Nur so ist die Erreichung eines guten Sanitär- und Hygienezustands in den Schulen dauerhaft möglich.

Svenja Ksoll, GTO-Projektkoordinatorin „Klobalisierte Welt“
Thilo Panzerbieter, GTO-Geschäftsführer

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