Unterricht in einer maroden Kiste: „Bitte helfen Sie uns!“

Die Rochusschule in Bonn hat akute Raumnot und auch an allen Ecken und Enden im Hauptgebäude ist Sanierungsbedarf. Die dringend benötigte Aula der Schule ist aus Brandschutzgründen gesperrt, was Kindern und Lehrerinnen großen Kummer bereitet.

Größtes Kopfzerbrechen macht jedoch der Containerbau, der, wie zahllose andere auch, als Provisorium errichtet worden war: Als Reaktion auf - unerwartet und plötzlich (...) - steigende Schülerzahlen. Da nichts so dauerhaft ist wie ein Provisorium, finden sich die in die Jahre gekommenen hässlichen Kisten quer durch die Republik.

Das Kollegium der Rochusschule will sich mit dem Zustand seiner Kiste nicht mehr abfinden: In einem Brief an die Stadt sind die Räume beschrieben, in denen sich Lehrkräfte und Schülerinnen täglich aufhalten müssen. Es ist zu eng, dreckig und es stinkt. Außen wie innen zeigen die Wände Risse. Die Heizung ist nicht zu gebrauchen. Die Pädagoginnen wollen hier nicht mehr länger arbeiten.

Wir dokumentieren den Brief der Lehrerinnen im Wortlaut.

Außenansicht

Vor etwa 30 Jahren wurden für die Rochusschule zwei Containerklassen aufgestellt, gedacht als Übergangslösung für zwei bis drei Jahre. Diese Klassenräume entsprechen schon seit einigen Jahren nicht mehr den Anforderungen des zeitgemäßen Unterrichtens. Dennoch fanden wir, das Kollegium der Rochusschule, bis jetzt immer wieder Lösungen für diese Situation und sind mit den Einschränkungen so gut es ging umgegangen. Seit vielen Jahren werden dort z.B. jeweils zwei erste Klassen untergebracht. Die damit verbundenen, zeitaufwändigen und jährlich stattfinden Umzüge wurden durch die betroffenen Lehrpersonen selbst bewältigt.

Flecken an der Decke

Die Zustände in den Containerklassen sind nun so schlecht geworden, dass unserer Ansicht nach die Gesundheit der Kinder und der dauerhaft dort unterrichtenden Lehrpersonen gefährdet ist. Grundanforderungen an unsere Arbeitsplätze werden in diesen beiden Klassen in hohem Maße nicht mehr erfüllt. Die baulichen Mängel sind gravierend.

Raumklima:


Die Abdeckungen der alten Heizungen schließen nicht mehr richtig, an den Heizkörpern springen die Abdeckungen immer wieder auf. Es herrscht Verletzungsgefahr.

Einmal abgesehen von optischen Eindrücken führen diese baulichen Mängel zu einem Raumklima, das krank macht. In der rechten Containerklasse herrschten diesen Winter zunächst Temperaturen, die Kinder und Lehrpersonen wochenlang frieren ließen. Auch nachdem dort ein dritter Heizkörper eingebaut wurde, konnte man kein angemessenes Raumklima erreichen. Innerhalb der Klassenräume entstehen erhebliche Temperaturgefälle.

Um die Räume an kalten Tagen angemessen warm zu bekommen, müssen alle Heizkörper voll aufgedreht werden. Die Kinder, die in der Nähe der Heizung sitzen, schwitzen. Kinder, die in der Nähe der Türe sitzen, bekommen immer wieder kalte Zugluft ab. Wenn wir eine Bewegungspause machen, wie es für Erstklässler sinnvoll ist, müssen die Kinder nach draußen und das Temperaturgefälle in der Klasse wird noch größer. Dies entsteht dadurch, dass Klassentüre und Eingangstüre gleichzeitig offen sein müssen, damit die Kinder genug Platz haben (s. unten), um den Pavillon zu verlassen. Ein „Schleuseneffekt“ (erst alle durch die erste Türe und dann durch die zweite Türe) ist aufgrund der baulichen Gegebenheiten (Enge des Flures) nicht möglich.

Anschluss Heizkörper

Messungen an kalten Tagen ergaben außerdem, dass die Bodentemperatur der Klassen-räume den ganzen Vormittag 17°C nicht überstieg, morgens teilweise unter 17°C lag. Um immerhin 17°C am Boden zu erreichen, musste man die Heizkörper so weit aufdrehen, dass die Luft schließlich auf Tischhöhe 22°C bis 25°C betrug.

Die Fenster in den Toiletten schließen seit vielen Jahren nicht mehr, Toilettenräume und Flur sind im Winter immer kalt. Diese kalte Luft zieht in die Klassenräume.

Die Türen der Klassenräume schließen nicht mehr zuverlässig. Sobald ein kleiner Luftzug weht, öffnen sie sich quietschend. Dies passiert z.B. wenn aus der Parallelklasse jemand auf die Toilette geht. Dann strömt kalte Luft aus dem Flur in den Klassenraum. Mehrmals am Tag muss man diese Türen wieder schließen. Durch die enge Garderobensitution kann das kaum von einem Kind bewältigt werden. Der Unterricht wird entsprechend oft dadurch gestört und unterbrochen, dass die Lehrperson die Klassentüre schließen muss.

Sobald im Sommer die Sonne auf die Containerklassen scheint, erwärmen sie sich stark. Schnell wird es in den Klassenräumen so warm, dass ein Unterrichten nach der großen Pause bei angemessenen Temperaturen nicht mehr möglich ist.

Geruchsbelästigung:

Ein weiteres Problem sind die veralteten Sanitäranlagen. Die Toiletten sehen immer dreckig aus. Sehen sie nur so aus oder sind sie es auch? Da Kinder und Lehrer unterschiedliche Toiletten benutzen sollen, führt dies dazu, dass es nur eine Kindertoilette gibt, die von Jungs und Mädchen gleichermaßen benutzt werden muss. Das Schloss der Toilettentüre ist kaputt, die Türe kann nicht mehr abgeschlossen werden.

Die Toiletten stinken dauerhaft. Da sie sich unmittelbar neben den Klassenräumen befinden, empfangen einen die entsprechenden Gerüche, wenn man den Flur betritt. Diese ziehen dann durch die oben beschriebenen Bedingungen in die Klassenräume.

Tropfender und verdreckter Wasserhahn

Eine weitere Geruchsbelästigung tritt jährlich im Frühjahr auf und bleibt oder wiederholt sich regelmäßig bis in den Herbst: Marder ziehen in die Säulen der Klassenräume ein, Mäuse und andere Kleintiere sind an unterschiedlichen Stellen zu finden. Die Hinterlassenschaften der Tiere führen zu einer erheblichen Geruchsbelästigung. Es werden Raumsprays angewandt. In den Säulen liegen Beutel, die die Gerüche binden sollen. Bis der Kammerjäger nach erneutem Auftreten der Gerüche kommt, dauert es teilweise Wochen. Wir haben unsere Zweifel daran, dass diese Vorgehensweise gesundheitlich unbedenklich ist.

Beeinträchtigungen durch die Raumgestaltung der Containerklassen

Die bisher beschriebenen Beeinträchtigungen entstehen wohl durch die veraltete Bausubstanz. Weitere Beeinträchtigungen ergeben sich durch die Bauweise der Containerklassen, die unserer Meinung nach ein zeitgemäßes Unterrichten nicht mehr ermöglichen.

Im Flurbereich ist es viel zu eng für die Kinder von zwei Klassen. Klassentüren können kaum geöffnet werden, Jacken nur schwer ausgezogen und aufgehangen werden.

Der Eingangsbereich vor den Klassenräumen ist so eng, dass die Kinder eigentlich nur in Kleingruppen den Container gefahrlos betreten können. Sobald man gesammelt mit einer Klasse in den Klassenraum möchte oder sogar einmal zeitgleich mit der Parallelklasse ankommt, ist der Vorraum viel zu eng. Die Kinder haben keinen Platz, die Jacken in Ruhe auszuziehen oder die Ranzen irgendwo abzustellen. Gehen sie erst in die Klasse, um den Ranzen abzustellen, kommen sie anschließend kaum mehr in den Vorraum, da er von anderen Kindern belegt ist. Die Klassentüren können nur schwer geöffnet werden, wenn die Kinder im Flur die Jacken ausziehen. Die Gefahr, dass Kinder geschubst werden, Ärger entsteht, Kinder hinfallen oder sich anders verletzen, ist äußerst hoch und oft Alltag.

Auf weniger als einem Meter Länge sind Garderobenhaken für 20 Jacken angebracht.

Die Garderobenhaken sind auf so engem Raum angebracht, dass 50 Kinderjacken nicht aufzuhängen sind. Weitere Haken haben wir an der Türe zu einem Abstellraum sowie in einem der Klassenräume angebracht. Dennoch hängen die Jacken so eng, dass die Erstklässler sie kaum selber aufhängen können. Auch fallen viele Jacken auf den Boden, Mützen und Handschuhe gehen verloren, eine Ablage dafür gibt es nicht. Die Jacken hängen in die Türbereiche der Toiletten sowie der Klassenräume hinein. Die äußere Toilettentüre wird daher gar nicht mehr geschlossen. Die Klassentüren lassen sich nur schwer schließen. Meist muss die Lehrperson dabei helfen.

Durch die Flursituation ist es nicht möglich, Sand und Schmutz unter den Füßen richtig abzuklopfen. Der Dreck wird in die Klassen getragen, die Klassenräume werden überdurchschnittlich schmutzig. Schneit es im Winter, wird der Schnee in die Klassen getragen. Dieser schmilzt dort, aufgrund der oben beschriebenen Bodentemperaturen trocknet das Wasser jedoch nur langsam, Boden und Ranzen werden nass.

Die hier beschriebenen Bedingungen führen dazu, dass die dort dauerhaft unterrichtenden Lehrpersonen krank werden. Die zwei Lehrpersonen, die dieses Jahr mit ihren ersten Schuljahren in den Containerklassen untergebracht sind, waren über mehrere Wochen immer wieder krank. Beide waren diesen Winter einige Tage krank geschrieben, das waren sie in den letzten Jahren nicht. Auch die beiden Praktikanten, die über mehrere Wochen die Klassen begleiteten, wurden krank.

Die Lehrerinnen und Lehrer der Rochusschule sind nicht mehr bereit, unter diesen Bedingungen dauerhaft in den Containerklassen zu arbeiten. Aus unserer Sicht muss zeitnah eine Lösung gefunden werden, damit alle Klassen der Rochusschule angemessene Lern- und Arbeitsbedingungen haben. Bitte helfen Sie uns!

Mit freundlichen Grüßen
das Kollegium der KGS Rochusschule

 

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