Warum hört uns keiner zu?

Dass es sinnvoll ist, die Nutzerinnen bei der Planung von Umbauten und Erweiterungen ihrer Schulhäuser zu beteiligen, haben an dieser Stelle mehrere Expertinnen betont. Dass manchmal Unfug herauskommt, wenn Schulen nicht einbezogen werden, zeigt ein Beispiel aus Rheinland-Pfalz.

Schulleiter Hans Maier freut sich einerseits über seine neue Mensa und auch ansonsten über eine sehr gutwillige Gemeinde. Aber eigentlich ist die Erweiterung seiner Schule nicht zu gebrauchen: die Klassenräume sind um den lärmigen Mensabereich herum gruppiert, der schwarze Fußboden unter dem Glasdach sorgt für tropisches Raumklima.

Hans Maier fragt sich auch, warum er für einen angemessen großen Musikraum streiten muss. Oder für die Einrichtung eines Computerraumes. Und warum gibt es Landeszuschüsse nur für Mindeststandards?

Mitreden dürfen, gehört werden. Das wär doch was.

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

eigentlich dürfte ich hier gar nicht schreiben, denn als Schulleiter einer dörflichen Grundschule (270 Kinder, dreizügig), die der Gemeinde seit eh her am Herzen liegt und demzufolge auch gut da steht, gehören wir sicher zu einer privilegierten Minderheit.

Dennoch:

  • Beim Bau unserer Mensa wurden wir nicht sonderlich in die Planung einbezogen. Auch die „praxisfundierte Expertise“ unseres Hausmeisters verhallte öfters.

Ergebnis:  Viele Klassenräume sind um die Mensa herum platziert – Unterricht bei Mensabetrieb damit kaum möglich, denn die Mensa ist laut!

Die Mensa ist auch heiß, denn sie hat einen fast schwarzen Bodenbelag, unter dem die Fußbodenheizung liegt, und ein großes Glasdach mit kleinen (!) Lüftungsfenstern.

So kann sich an Sommerabenden die Fußbodenheizung gut erwärmen und wir haben es am nächsten Morgen mollig warm...

  • Günstige Entwicklungen bringen es mit sich, dass wir ab Sommer auch viel Platz haben werden, weil Räume frei werden.

Nun müssen wir aber ein pädagogisches Konzept vorlegen, aus dem hervorgeht, dass wir als Grundschule diese frei werdenden Räume benötigen. Natürlich machen wir das – es fällt uns auch nicht schwer, aber:

Wieso müssen wir als Grundschule im Jahre 2017 noch begründen, warum wir einen Computerraum brauchen? Weiterführende Schulen müssen dies ja auch nicht!

Gerne würden wir als Antwort schreiben: „Weil wir im 21. Jahrhundert unterrichten, nicht im 19. Jahrhundert!!“.

Ähnliches gilt z.B. für den Musiksaal. Die Kinder sollen laut Rahmenplan aktiv (mit Instrumenten) musizieren und tanzen.  Klassenräume aber werden immer kleiner. Wie soll das also ohne Fachraum gehen?

  • Unsere Gemeinde wollte beim letzten Umbau größere Klassenräume. Das musste verworfen werden, da sonst alle Zuschüsse verfallen wären, auf die die Gemeinde aber angewiesen war. Zuschüsse gibt es nur, wenn nach den Mindestvoraussetzungen gebaut wird. Warum darf eine fortschrittliche Gemeinde nicht aus eigener Tasche einfach noch was drauflegen?

Mit freundlichen Grüßen
Hans Maier (Name geändert)
Schulleiter einer Grundschule in Rheinland-Pfalz

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