Visionen-Spiel: Spielerisch die perfekte Schule bauen

Bald kommt es, das große Geld für die Schulgebäude. Es wird zu wenig sein und hinten und vorne nicht reichen - geschenkt. Milliarden werden in den nächsten Jahren von Bund, Ländern und Kommunen in die ächzende Substanz von Schulhäusern sowie ihren Nebengebäuden und Außenanlagen investiert werden.

Damit im selben Atemzug aus Anstalten Lernhäuser werden, braucht es Praktiker, die groß denken. Nun ist das so eine Sache mit der Kreativität auf Knopfdruck. Vor allem wenn der Alltag ruft, die Politik die Gelder schon verteilt, die Verwaltung bereits plant (alles natürlich über die Köpfe der Lehrerinnen und Schülerinnen hinweg). Und gefühlt der Bagger schon auf dem Schulhof steht.

Macht euch locker - spielt eine Runde!
Berliner Architekten haben mit einer Stiftung zusammen ein Spiel entwickelt. Es führt eine Gruppe von möglichst unterschiedlichen Menschen in 17 Schritten und 90 Minuten zur "perfekten Lernlandschaft". Faszinierende Idee, oder? Unbedingt ausprobieren!

 

Wie sieht die perfekte Schule aus? Diese Frage wird sich jeder schon einmal gestellt haben, sie aber wohl mit den Gedanken beiseite geschoben haben: „Das können wir uns ohnehin nicht leisten!“ Aber warum eigentlich nicht? Es ist sicher nicht so, dass Geld ohne Ende zu haben ist. Das sollte aber nicht daran hindern, Vorstellung davon zu entwickeln, welche Qualität die Räume eines Schulgebäudes haben sollen und wie darin besser gelernt werden kann. Vielleicht wird es am Ende dann doch alles gar nicht zu teuer sein, wie befürchtet.

alle Bilder: ©Baupiloten

Das Architekturbüro die Baupiloten hat in Kooperation mit der Hans-Sauer-Stiftung das Schul-Visionen-Spiel „Unsere perfekte Lernlandschaft“ entwickelt. Es ist ein Werkzeug für Schulen zur selbstständigen Entwicklung und Verhandlung von pädagogischen und räumlichen Veränderungen.

Jeder Nutzer einer Schule, die Schüler, die Lehrer, der Hausmeister, die Eltern sind Experten für die Welt, in der sie leben und in der sie ihren Alltag verbringen. Sie wissen besser als alle anderen, wie die Dinge laufen oder wie sie besser laufen könnten. Meist bleibt im Alltag aber zu wenig Zeit, Gedanken, die in diese Richtung gehen zu sammeln oder zu Ende zu führen. Das Schul-Visionen-Spiel eröffnet die Möglichkeit, Ideen und Visionen für ein bestimmtes pädagogisch-räumliches Szenario spielerisch zu entwickeln. Es kann in kurzer Zeit die oft sehr unterschiedlichen Bedürfnisse verschiedenster Interessensgruppen nicht nur ermitteln, sondern auch kreativ verhandeln und so zu einer gemeinsamen Vision für eine Lernlandschaft zusammenbringen. Das Spiel lässt der Fantasie der Spieler einerseits freien Lauf, strukturiert ihre Visionen andererseits aber so, dass das Spielergebnis als Grundlage und Anregung für den Entwurf eines umfassenden Umbaus einer Schule oder der Neugestaltung einer Lernlandschaft verwendet werden kann.

Wie funktioniert das Spiel?

Um möglichst viele Sichtweisen, Ideen und Bedürfnisse einzufangen, ist es ratsam, das Spiel in mehreren Gruppen und unterschiedlichen Alters oder unterschiedlicher Interessen zu spielen. Jeder Spieler sucht sich Aktivitäten aus, denen er in einer perfekten Schule am liebsten nachgehen würde. So kann sichergestellt werden, dass jeder Akteur die Gelegenheit hat, über seine eigenen Verhaltensweisen nachzudenken. Als nächstes müssen die Spieler ihre Bedürfnisse zusammenbringen, indem sie aus allen Aktivitäten Symbiosen zusammenlegen. In weiteren Schritten können Widersprüche und Unstimmigkeiten aufgedeckt und verhandelt werden. In 17 Schritten und 90 Minuten nähern sich die Spieler dem Ziel, einer passenden Schultypologie, an.

Zentraler Bestandteil des Schul-Visionen-Spiels sind piktografisch dargestellte Aktivitäten und atmosphärische Vorstellungen, die von den Teilnehmern gespielt und in unterschiedlichen Szenarien getestet werden. Die Kommunikation der Spieler über Piktogramme, durch Aktivitäten und über Atmosphären schafft einen leichten Zugang zu den oft komplexen Themen. Damit wird erreicht, die Diskussionen auf das Wesentliche zu konzentrieren und eingefahrene Vorstellungen zu umgehen. Widersprüche und Konflikte, die sich durch das Zusammentreffen von Wunschvorstellungen und Anforderungen ergeben, können durch diese Methode unabhängig von Grundrissüberlegungen oder architektonischen Fragen aufgedeckt und in ein synergetisches Potenzial umgewandelt werden. Dadurch lassen sich Nutzerbedürfnisse, Alltagsverhalten und räumliche Zusammenhänge sowie Prioritäten leicht erkennen und eine differenzierte Diskussion anregen.

Das Ergebnis des Schul-Visionen-Spiels „Unsere perfekte Lernlandschaft“ ist eine Vision für eine Lernlandschaft oder eine ganze Schule. Für einen Umbau oder Neubau bietet es eine vertiefte Raumbedarfsanalyse, die Ansprüche und Funktions-Zusammenhänge des Ortes sichtbar macht.

Was erreicht das Spiel?

Aus dem Spielergebnis können Architekten ein Entwurfskonzept entwickeln und darin die Nutzerwünsche, Anregungen und Anforderungen der Schule einarbeiten. Je genauer die Schüler, Lehrer und Eltern wissen, was sie mit den Baumaßnahmen erreichen wollen, umso besser können Architekten entwerfen und planen und umso genauer können Kosten und Zeitaufwand eingeschätzt beziehungsweise sinnvoll eingespart werden.

Olaf Bartels
Architekturbüro Die Baupiloten BDA

 

 

2 Gedanken zu „Visionen-Spiel: Spielerisch die perfekte Schule bauen

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