Bald kommt es, das große Geld für die Schulgebäude. Es wird zu wenig sein und hinten und vorne nicht reichen - geschenkt. Milliarden werden in den nächsten Jahren von Bund, Ländern und Kommunen in die ächzende Substanz von Schulhäusern sowie ihren Nebengebäuden und Außenanlagen investiert werden.

Damit im selben Atemzug aus Anstalten Lernhäuser werden, braucht es Praktiker, die groß denken. Nun ist das so eine Sache mit der Kreativität auf Knopfdruck. Vor allem wenn der Alltag ruft, die Politik die Gelder schon verteilt, die Verwaltung bereits plant (alles natürlich über die Köpfe der Lehrerinnen und Schülerinnen hinweg). Und gefühlt der Bagger schon auf dem Schulhof steht.

Macht euch locker - spielt eine Runde!
Berliner Architekten haben mit einer Stiftung zusammen ein Spiel entwickelt. Es führt eine Gruppe von möglichst unterschiedlichen Menschen in 17 Schritten und 90 Minuten zur "perfekten Lernlandschaft". Faszinierende Idee, oder? Unbedingt ausprobieren!
...weiterlesen "Visionen-Spiel: Spielerisch die perfekte Schule bauen"

Weil das Dach undicht ist, werden Unterrichtsräume feucht. Es bildet sich Schimmel - die Räume werden aufgrund der gesundheitlichen Gefahren unbenutzbar. Die Sporthalle gammelt vor sich hin. Aus maroden Leitungen kommt Wasser, das man nicht trinken soll. Die Heizung: nicht zu gebrauchen.

Schülerinnen und Schüler aus Köln zeigen uns ihre Schule. "Wir wünschen uns, dass unser Schulgebäude wieder instand gebracht wird und wir uns hier bald wieder wohlfühlen können."
...weiterlesen "„Unter diesen Bedingungen ist ein Schulbesuch unzumutbar“"

"Benachteiligung in der Bildung beginnt damit, dass Kinder und Jugendliche in maroden Schulen lernen müssen – und ganz besonders, wenn einigen von Ihnen aufgrund von räumlichen Barrieren der Zugang verwehrt bleibt", sagt Gisela Braun vom Bundesnetzwerk "Schule für alle".

Unsere derzeit laufende Umfrage bestätigt einen Zusammenhang zwischen dem Zustand des Schulgebäudes und der Barrierefreiheit: marode Schulen sind in der Regel für Rollstuhlfahrer nicht geeignet, für differenzierte Lernangebote schon gar nicht. Kaputte Schulen sind nicht inklusiv.

Was hier zu tun wäre, erklärt eine Schulleiterin aus Hessen, Mitstreiterin der Initiative. Vor allem Neubauten und Grundsanierungen sieht sie als Chance, Schulräume der inklusiven Ganztagsschule neu zu denken - zum Beispiel: Veranstaltungen, Schulgarten, außerschulische Lernorte, Rückzugsbereiche, Spielräume, Ruhezonen, reizarme Räume, Bewegungsangebote, Erkundungsorte, Therapieräume, Räume für Pflege...
Neues Lernen in neuen Räumen!

...weiterlesen "„Bildung für alle“ gelingt nur in bedarfsgerechten Räumen"

Die Rochusschule in Bonn hat akute Raumnot und auch an allen Ecken und Enden im Hauptgebäude ist Sanierungsbedarf. Die dringend benötigte Aula der Schule ist aus Brandschutzgründen gesperrt, was Kindern und Lehrerinnen großen Kummer bereitet.

Größtes Kopfzerbrechen macht jedoch der Containerbau, der, wie zahllose andere auch, als Provisorium errichtet worden war: Als Reaktion auf - unerwartet und plötzlich (...) - steigende Schülerzahlen. Da nichts so dauerhaft ist wie ein Provisorium, finden sich die in die Jahre gekommenen hässlichen Kisten quer durch die Republik.

Das Kollegium der Rochusschule will sich mit dem Zustand seiner Kiste nicht mehr abfinden: In einem Brief an die Stadt sind die Räume beschrieben, in denen sich Lehrkräfte und Schülerinnen täglich aufhalten müssen. Es ist zu eng, dreckig und es stinkt. Außen wie innen zeigen die Wände Risse. Die Heizung ist nicht zu gebrauchen. Die Pädagoginnen wollen hier nicht mehr länger arbeiten.

Wir dokumentieren den Brief der Lehrerinnen im Wortlaut. ...weiterlesen "Unterricht in einer maroden Kiste: „Bitte helfen Sie uns!“"

Unsere Demokratie verändert sich, Partizipation wird immer mehr zum Thema einer sich wandelnden Gesellschaft. Wie für die Demokratie im Allgemeinen gilt auch hier: Beteiligung gibt es nicht zum Nulltarif, sie muss erstritten, erarbeitet und erlernt werden - von Bürgerinnen und Bürgern, der Verwaltung und auch von der Politik.

Hinter dem Wunsch nach Mitgestaltung steht immer die Frage "Wie wollen wir leben?" Wie soll unsere Schule aussehen? Wie wollen wir dort leben, lernen und arbeiten?  Wie sieht das Lernen der Zukunft aus und können wir heute die Räume dafür planen?

Es ist ungemein hilfreich, wenn es für diesen Prozess des Entwerfens bereits Vorbilder gibt, die ihre Erfahrungen weitergeben und Wissen teilen. Angelika Deinhardt, selbst Schulleiterin, hat für ihre Kolleginnen und Kollegen eine mutmachende Handreichung geschrieben, die wir in Auszügen veröffentlichen dürfen. ...weiterlesen "Beteiligung der Nutzer schafft zukunftsfähige und schülerfreundliche Lernräume"

Dass es sinnvoll ist, die Nutzerinnen bei der Planung von Umbauten und Erweiterungen ihrer Schulhäuser zu beteiligen, haben an dieser Stelle mehrere Expertinnen betont. Dass manchmal Unfug herauskommt, wenn Schulen nicht einbezogen werden, zeigt ein Beispiel aus Rheinland-Pfalz.

Schulleiter Hans Maier freut sich einerseits über seine neue Mensa und auch ansonsten über eine sehr gutwillige Gemeinde. Aber eigentlich ist die Erweiterung seiner Schule nicht zu gebrauchen: die Klassenräume sind um den lärmigen Mensabereich herum gruppiert, der schwarze Fußboden unter dem Glasdach sorgt für tropisches Raumklima.

Hans Maier fragt sich auch, warum er für einen angemessen großen Musikraum streiten muss. Oder für die Einrichtung eines Computerraumes. Und warum gibt es Landeszuschüsse nur für Mindeststandards?

Mitreden dürfen, gehört werden. Das wär doch was. ...weiterlesen "Warum hört uns keiner zu?"

"Wir lieben unsere Schule" - gibt es ein schöneres Lob?
An dieser Stelle sei angemerkt, dass wir es im Rahmen unserer Kampagne mit sehr vorzeigbaren Schulen zu tun haben. Schon die Erfahrungen mit dem Berliner "Adventskalender" haben gezeigt, dass Protest gegen schlechte Rahmenbedingungen vor allem dort laut wird, wo Schülerinnen und Lehrerinnen sich mit Wertschätzung begegnen, es eine hohe Zufriedenheit mit der Arbeit des pädagogischen Teams und ein gemeinsam getragenes pädagogisches Konzept gibt.

Die Schülerinnen der Voltaireschule in Potsdam wünschen sich: angenehme Toiletten, ein freundliches Äußeres und schöne Räume. Damit sie in Zukunft noch mehr Freude beim Leben und Lernen in ihrer Schule haben. ...weiterlesen "Wir lieben unsere Schule. Uns stört, dass sie so kaputt ist."

Wie wollen wir leben? Wie soll unser Lernen und Lehren gestaltet sein? Nutzerinnen der Schulgebäude werden viel zu wenig in die Planung und Gestaltung ihrer Häuser einbezogen. Schulleitungen manchmal, Schülerinnen in der Regel überhaupt nicht.

Katharina Sütterlin und Susanne Wagner haben vor einigen Jahren in Berlin "Bauereignis" gegründet, um diesem Mangel an Partizipation etwas entgegenzusetzen. Ihre vergleichsweise kleinen Projekte bewirken große Veränderungen.

Aufgrund ihrer Beobachtungen aus dem Ganztagsschulprogramm des Bundes (hier wurden ab 2004 letztmalig Bundesmittel in Milliardenhöhe verbaut) wünschen die Architektinnen sich nun eine Kleinigkeit (Finanzfachleute in den Verwaltungen werden das anders sehen). Ein Teil des Budgets für die Sanierung oder den Neubau möge zurückgehalten werden, um Anpassungen für die jeweiligen Nutzerinnen ermöglichen zu können. Klingt nach einer smarten Idee. ...weiterlesen "Schulbau als Gemeinschaftsaufgabe: Nutzerwünsche und Gebäudepotentiale miteinander verzahnen"

Der Zustand der Toiletten - kein Thema wird an Schulen quer durch die Republik heißer diskutiert als das stille Örtchen. Wie es dort aussieht, hängt - klar - ab vom Alter der sanitären Anlagen und von der Intensität und der Qualität der Reinigung. Und natürlich vom Verhalten der Nutzerinnen.

Unsere heutigen Expertinnen von der German Toilet Organization sind der Meinung, dass Sanierungen nicht ausreichen. In vielen Fällen, sagen sie, fehle es am Verständnis für den pädagogischen Wert der Schultoilette. In ihrer Arbeit mit Schulen tragen sie dazu bei, das Thema in den Mittelpunkt des schulischen Alltags zu rücken.

Dabei sind es die kleinen Verbesserungen, die viel bewirken, aber wenig kosten: Seife, Handtücher, Klobürsten, Kleiderhaken oder auch Grünpflanzen. Das wichtigste aber, so Svenja Ksoll und Thilo Panzerbieter, ist die Einbeziehung Aller. "Wo das Zusammenspiel zwischen Erwachsenen und Kindern und Jugendlichen kommunikativ ist und auf Austausch basiert", klappt's auch mit dem Schulklo. ...weiterlesen "Renovierungen reichen nicht, um den Brennpunkt Schultoilette zu entschärfen"

In den nächsten Jahren wird in Deutschland viel Geld für Investitionen in die marode Infrastruktur fließen. Für die Schulen haben nach Hamburg auch die Länder NRW und Berlin Mittel in Milliardenhöhe bereitgestellt. Andere Länder werden folgen, mindestens die bisher zugesagten Finanzhilfen des Bundes werden investiert werden.

Neben der Beseitigung der Schäden wird es auch darum gehen müssen, die Mittel klug einzusetzen: Für unseren heutigen Experten haben räumliche Rahmenbedingungen Vorrang, die dazu beitragen, den Unterricht zu verbessern. Mit einer technischen Sanierung, sagt Otto Seydel, muss auch eine pädagogische Erneuerung einhergehen.

Trivial ist das keineswegs, wie der Schulbauberater anhand innovativer Beispiele aus England und Kanada zeigt. Lehrerinnen, die bisher in "Schuhkartonklassen" arbeiteten, machten zunächst Unterricht "gegen den Raum", weil sie erst lernen mussten mit den neuen Methoden und Möglichkeiten umzugehen. Wer also Räume für das Lernen der Zukunft plant, muss Aus- und Weiterbildung für Lehrkräfte genauso in die Kalkulation einbeziehen wie eine fundierte Prozessbegleitung sowie die interdisziplinäre Forschung zur Schulentwicklung und ihrer Evaluation. ...weiterlesen "Der marode Zustand der Schulen ist eine Chance"